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Digitale Transformation in Unternehmen

Digitale Transformation klingt spannend und auch irgendwie kompliziert. Das Thema Digitalisierung treibt uns Anstifter in der Begleitung unserer Kunden und auch im eigenen Arbeiten schon viele Jahre um, und dennoch ist es uns wichtig, das Thema mal mit einem absoluten Fachmann zu beleuchten. Wir sind sehr dankbar, dass Prof. Dr. Daniel Schallmo uns für ein Interview zur Verfügung stand.

Daniel, was bedeutet Digitalisierung eigentlich?

Unternehmen nutzen die Potenziale der Digitalisierung, um intelligenter und schneller für Kunden Leistungen anzubieten und um die Digitale Transformation ihres Geschäftsmodells aktiv zu gestalten. Die Digitale Transformation beschreibt den Weg und eröffnet neue Möglichkeiten der Vernetzung und Kooperation unterschiedlicher Akteure, die z.B. Daten austauschen und somit Prozesse anstoßen als auch neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Gibt es ein Beispiel für die Digitale Transformation?

Ein griffiges Beispiel ist das Unternehmen Hagleitner. Hagleitner ist ein Hersteller für Hygieneartikel. Neben flüssigen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln werden auch Papiertücher und passende Spender für die flüssigen Mittel und Papiertücher hergestellt. Ferner werden den Kunden Hygieneschulungen angeboten. Die wichtigsten Kunden kommen aus dem Gesundheitswesen, der Gastronomie und der Lebensmittelindustrie, da in diesen Branchen ein sehr hoher Hygienestandard vorgeschrieben ist. Bislang hat Hagleitner Kunden darin unterstützt, Hygieneanforderungen zu erfüllen, indem Spender (insb. berührungslose Spender) und dazugehörige Inhalte an Kunden verkauft und geliefert wurden. Die Inhalte (z.B. Flüssigseife und Papierhandtücher) sind dabei so konzipiert, dass sie eine einfache und schnelle Befüllung ermöglichen.

Steigende Hygieneanforderungen seitens der Kunden, eine fehlende Transparenz, welche Spender wann befüllt werden müssen, eine ungeeignete Personalplanung, die hohe Personalkosten verursacht und eine großzügige Bedarfsplanung, die hohe Lagerbestände bei Kunden verursacht, haben Hagleitner dazu veranlasst, ein neues System zu entwickeln: Hagleitner senseManagement. Die Zielsetzung von Hagleitner senseManagement besteht darin, für Kunden einen Nutzen zu stiften, in dem mittels Sensoren der Waschraum überwacht wird, was eine Kosten- und Zeitersparnis im Hinblick auf die Befüllung von Hygieneartikeln ermöglicht. Zusätzlich wird die Kunden- bzw. Nutzerzufriedenheit erhöht, indem notwendige Hygieneartikel immer verfügbar sind.

Schallmo

Prof. Dr. Daniel Schallmo

Prof. Dr. Daniel Schallmo ist Ökonom, Unternehmensberater und Autor zahlreicher Publikationen. Er ist Professor für Digitale Transformation und Entrepreneurship an der Hochschule Neu-Ulm, Leiter des Instituts für Entrepreneurship und Mitglied am Institut für Digitale Transformation. Zu seinen Arbeits- und Forschungsschwerpunkte gehören unter anderem die Entwicklung von Digitalstrategien, die digitale Transformation von Geschäftsmodellen und die Implementierung digitaler Initiativen.

Das System besteht aus Spendern (Seifenspender, Desinfektionsmittelspender, Papiertuchspender und Duftspender) mit integrierten Sensoren, die die Messung des aktuellen Füllzustands ermöglichen und die Daten an eine Basisstation senden. Diese Basisstation sendet die Daten an einen Hagleitner-Server, der den Kunden (z.B. Reinigungspersonal) diese Daten mittels internetfähiger Geräte zur Verfügung stellt. Der Nutzen für Kunden besteht darin, dass eine Transparenz zu Verbräuchen und Kosten vorliegt, was die Berechnung einer genauen Material- und Personalplanung ermöglicht. Der Nutzen für Hagleitner besteht darin, dass die eigene Produktionsplanung und die Lagerbestände optimiert werden können, was eine Kostensenkung ermöglicht.

Digitale Transformation

Wie kann uns die Digitalisierung helfen die Effizienz zu erhöhen?

Im Kontext der Digitalen Transformation spielen technologische und personelle Potenziale, die eine Digitalisierung ermöglichen, eine wichtige Rolle. Produkte bestanden früher aus mechanischen und elektrischen Komponenten und stellen heute komplexe Systeme dar, die eine Verknüpfung von Hardware, Software und Datenspeichern ermöglichen – Produkte sind folglich intelligenter und vernetzter als in der Vergangenheit. Neben Produkten werden auch Dienstleistungen, Prozesse und Wertschöpfungsnetzwerke und die Kundenschnittstelle digitalisiert, was einerseits neue Geschäftsmodelle erfordert, aber auch ermöglicht. Neben technologischen Potenzialen und der Veränderung von Geschäftsmodellen spielen veränderte Kundenanforderungen eine große Rolle. Kunden fordern heute statt einzelner Produkte „Rundum-sorglos-Pakete“ mit passenden Serviceleistungen oder Produkte „as a Service“.

Wie gelingt es sicherzustellen, dass Unternehmen nicht einfach schlechte Prozesse digitalisieren und dadurch schlechte digitale Prozesse bekommen?

Alles beginnt mit der Sensibilisierung aller Mitarbeitenden innerhalb des Unternehmens für das Thema der Digitalisierung. Viele Unternehmen leisten hier gute Arbeit; dennoch gibt es Unternehmen, bei denen Unklarheit, gepaart mit Bedenken, Angst und sogar einer Abwehrhaltung gegenüber dem Thema dominiert. Digitalisierung sollte innerhalb des Unternehmens jedoch nicht als Bedrohung, sondern als Chance angesehen werden. Dann sollten die Strukturen und Möglichkeiten geschaffen werden, die Digitale Transformation des eigenen Unternehmens voranzutreiben. Das fängt mit Seminaren an, in denen die Mitarbeitenden qualifiziert werden, konkrete Ideen und erste Konzepte zu entwickeln. Es folgen weitere Initiativen, bis hin zu einer eigenen Abteilung, die sich ausschließlich um die Digitale Transformation kümmert, also Ideen aus dem Unternehmen und vom Markt aufgreift, diese prüft, bewertet und Potenziale für das eigene Geschäftsmodell bzw. für neue Geschäftsmodelle ableitet. Digitale Transformation betrifft das gesamte Unternehmen und ist Chefsache!

Welchen Nutzen bringt die Digitalisierung auf Anbieter- und Kundenseite?

Greifen wir das Beispiel von Hagleitner auf: für die Kunden von Hagleitner bietet der neue Service die Chance, den eigenen Personaleinsatz und die Lagerhaltung zu optimieren, ohne Einbußen bei der Qualität zu verzeichnen; also Kosten und Zeit einzusparen. Ferner liegt eine hohe Transparenz zum Lagerbestand, zum Personal, zur Servicequalität etc. vor. Für Hagleitner bietet das neue Konzept die Chance, die eigene Produktion, die eigene Lagerhaltung und die Logistik zu optimieren. Zudem können über die Gewinnung von Daten mittels Sensoren an den Produkten und über entsprechende Auswertungen eben diese Produkte verbessert werden.

Allgemein betrachtet sind Produkte und Komponenten leistungsfähiger, benötigen weniger Platz und haben ein geringeres Gewicht – im Vergleich zur Vergangenheit. Ein Beispiel: Der „Apollo Guidance Computer“, der Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts entwickelt und für die Apollo-Mission zum Mond zur Navigation eingesetzt wurde, wog 32 Kilogramm. Heute sind diese Dimensionen bereits unvorstellbar. Das bedeutet für Unternehmen, dass sie heutzutage zunehmend dazu angehalten sind, Produkte und Dienstleistungen schneller, günstiger und in einer höheren Qualität anzubieten. Dies alles wird durch die Digitalisierung natürlich begünstigt.

Welche sind aktuell noch die größten Herausforderungen bei der Digitalen Transformation?

Es mangelt nicht an Konzepten, Technologien und Ideen. Die größte Hürde sehe ich in der Umsetzung und in der Mobilisierung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das ist ein unternehmenskultureller Aspekt, der bestehende Denk- und Handlungsweisen in Frage stellt. Gleichzeitig muss das Tagesgeschäft „am Laufen“ gehalten und verbessert werden. Beziehen wir die Herausforderungen auf die Erfüllung von Kundenanforderungen, so liegt hier der Schwerpunkt auf der Nutzung personalisierter Kundendaten, die durch mobile Technologien gewonnen und ausgewertet werden. Diese Informationen können anschließend genutzt werden, um Produkte, Kommunikation und Interaktionen an die spezifischen Bedürfnisse der Kunden anzupassen

Was hat sich deiner Meinung nach im Thema Digitalisierung in Unternehmen durch die Pandemie verändert?

Grundsätzlich halte ich die Corona-Pandemie und die damit verbundene Krise für dramatisch, wenn man an die weltweiten Opferzahlen denkt. Wer allerdings das chinesische Wort für „Krise“ kennt, weiß auch, dass eine weitere Bedeutung „Chance“ ist. In jeder Krise steckt also auch eine Chance. Und das sehe ich aktuell im Kontext der Digitalisierung ganz deutlich. Die Entwicklung, die wir in den letzten Monaten im digitalen Kontext beobachten, konnten wir in den letzten Jahren kaum sehen. Für viele Menschen waren das Arbeiten von Zuhause aus und die Kommunikation über Videotelefonie eher fremd. Oftmals lag auch nicht die Infrastruktur in Form von Headsets, Kameras etc. nicht vor.

Die Corona-Krise ist dabei Weckruf und Beschleuniger zugleich: ein allgemeiner Weckruf, der zeigt, wie empfindlich und angreifbar wir sind; ein Weckruf im digitalen Kontext, der zeigt, dass wir z.B. bezüglich Ausstattung, Akzeptanz und Nutzung digitaler Potenziale einen Nachholbedarf haben.

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Ferner sehe ich die Corona-Krise auch als Beschleuniger, da sich zumindest aktuell das Mindset verändert hat. Unternehmen und Institutionen haben sich z.B. in sehr kurzer Zeit auf die neuen Umstände eingestellt. Ferner ist es so, dass sich die Rolle und Verantwortung von Führungskräften verändert hat. Wie können also Teams auf Distanz geführt werden? Wie kann eine Führungskraft auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen usw.?

Welchen Tipp hast du für Unternehmen, um zielgerichtet mit der Digitalisierung in ihrem eigenen Unternehmen umzugehen?

Wir haben eine Blaupause entwickelt, die aus den folgenden fünf Phasen besteht: 1. Digitale Realität: Den Status quo erfassen, 2. Digitale Ambition: Die Ziele festlegen, 3. Digitale Potenziale: Die Optionen ableiten, 4. Digitaler Fit: Die Eignung bewerten, 5. Digitale Implementierung: Die Realisierung ermöglichen. Je nach Zielsetzung und Ausgangslage des Unternehmens sollten anhand individueller Anforderungen Anpassungen vorgenommen werden. Sofern keine eigene Kompetenz vorliegt, sollte natürlich externe Hilfe hinzugezogen werden. Wichtig ist dabei allerdings, das Thema organisatorisch und personell fest im Unternehmen zu verankern. Dies geht mit einer entsprechenden Qualifizierung von Mitarbeitern einher.

Herzlichen Dank für das Gespräch.

Du möchtest Digitalisierung in deinem Unternehmen vorantreiben?

Dann melde dich gerne bei uns. Wir helfen dir weiter und beraten dich unverbindlich. Wir freuen uns!

Tel: +4988612259460

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