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Neuer Führungsanspruch

Unsere Redakteurin macht sich Gedanken darüber, was gute Führungskräfte ausmacht – und fragt bei ihren Kollegen nach

Ich googelte gerade „Führungskraft“ und „Anforderungen“. Puh. Da finden sich ganz viele Listen und Artikel, geschmückt mit gestellten Fotos von Händen, die Puzzleteile setzen, von gezwungen glücklich aussehenden Mitarbeitern und ebenso gezwungen „stark“ dreinblickenden Persönlichkeiten, die entschlossen lächelnd in die Kamera blicken, die Krawatte zurecht ziehend. Und bevor ich das alles lese, frage ich mich zunächst selbst, was so eine Führungskraft eigentlich braucht. Was ich mir von ihr wünschen würde. Und was für eine ich gerne wäre, wäre ich denn eine. Ein Führungsanspruch also.

Ich denke an Führungskräfte aus meiner beruflichen Vergangenheit. An die, von denen Freunde erzählten. An positive und negative Beispiele, an Kompetenzen und Mankos. An tolle und erschreckende Geschichten. An positive Erfahrungen, an Glücksgefühl und Motivation. Und an Enttäuschungen. Und wieder merke ich, wie essentiell so eine Führungskraft ist. Dass das nicht einfach nur ein Chef ist, der das Sagen hat. Der Anführer einer Hierarchie, dessen Anordnungen man ausführt. Nein. Eine Führungskraft beeinflusst Deinen ganzen Arbeitsalltag. Sie oder er beeinflusst, wie Du zu Deinem Job stehst. Wieviel Spaß er Dir macht. Wie Du Dich weiterentwickelst. Ob du bleibst.

Wenn Du Dich in Deinem Job nicht wohlfühlst und sogar kündigen möchtest, hat daran im Regelfall die Führungskraft einen großen Anteil, so die Meinung einer Freundin. Ganz schön viel Verantwortung. Und ich musste lange darüber nachdenken. Aber ja. Da ist schon was dran. Denn genau um diese Verantwortung geht es. Und wer sich dieser Verantwortung nicht bewusst ist, wird seinen Anforderungen an eine Führungskraft nicht gerecht. Oder ist das vielleicht doch eine zu harte Aussage? überlege ich. Und entscheide mich für: nein. Sie klingt hart. Aber sie ist wahr.

Kein Mitarbeiter ist gleich

Und dabei muss sich eine Führungskraft auf seine/ihre Mitarbeiter einlassen, sie „typgerecht führen“, wie Anstifter Christian es ausdrückt, denn: „Kein Mitarbeiter ist gleich.“ Dazu bräuchte er/sie einen gut gefüllten Werkzeugkoffer, ergänzt Anstifterin Anke in meiner kleinen Umfrage, in denen ich alle Anstifter gefragt habe, was für sie eine gute Führungskraft ausmacht. „Je nach Situation, Mitarbeiter und Aufgabe kann sie so auf das richtige Werkzeug zugreifen. Aber: Leider haben heute immer noch viele Führungskräfte nur den Hammer im Werkzeugkoffer.“

Was mir in den letzten Monaten wieder sehr bewusst wurde: Wie unfassbar wichtig Feedback ist.  Ein kleiner Führungsanspruch. Und wie einfach es doch wäre, das zu geben. Damit meine ich nicht, den Mitarbeitern bei jedem richtig gelochten Dokument einen Orden zu übergeben. Aber ihre Leistung zu schätzen. Und das auch zu sagen. Einfach mal zu sagen: „Hey, schön, dass Du bei uns bist. Du machst ‘nen tollen Job!“ kann einem schon wahnsinnig viel mitgeben. Ein gutes Gefühl. Motivation. Selbstvertrauen. Und das schafft man mit einem Satz. Das klingt gar nicht so schwer. Aber ich höre so oft, und habe es auch selbst schon erlebt, dass Mitarbeiter eben das nicht oder nur selten erleben: Feedback zu bekommen. Das Gefühl zu haben, wertvoll für das Unternehmen zu sein. Gesehen und geschätzt zu werden. Nicht nur als jemand, der die Firma weiterbringt. Sondern auch als Persönlichkeit.

Feedback geben – und annehmen

Dieses Feedback darf natürlich auch konstruktiv sein, um sich zu verbessern. Auch das ist essentiell. Denn auch konstruktives Feedback gibt einem die Gewissheit, dass sich da jemand dafür interessiert, dass man sich weiterentwickelt. Dass er/sie sich die Zeit nimmt, sein Wissen weiterzugeben. Und mich nicht nur als jemanden sieht, der nötige Arbeit erledigt. Eine Führungskraft müsse Freude daran haben, Menschen weiterzuentwickeln, die Freude am Gelingen nach außen tragen und so ein Umfeld zu schaffen, in dem man beim Wachsen auch Fehler machen darf, meint Anstifter Roger dazu. Ein Umfeld, in dem man gemeinsam auch neue Wege entwickelt, um dann besser zu sein als vorher. Denn Führungskräfte müssen genauso konstruktives Feedback annehmen und umsetzen, und sich somit auch selbst weiterentwickeln wollen.

Die Auswirkungen des eigenen Handelns im Blick

Die positive Auswirkung der Handlungen einer Führungskraft sollte dabei im Bestfall bis zum begeisterten und zufriedenen Kunden reichen – und nicht nur bis zum Mitarbeiter, meint Anstifterin Jantje dazu. Und dabei geht es gar nicht darum, den „großen Motivator“ zu spielen, ergänzt Anstifter Alex. Eine Führungskraft zeichnet sich nicht dadurch aus „Tschacka“-schreiend durchs Büro zu laufen, sondern: Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu vergeben und die Mitarbeiter auch genau dadurch zu motivieren – und sich bewusst zu sein, dass jede Handlung nicht nur Auswirkungen auf meinen Erfolg, sondern auch auf mein Team hat. So nimmt nicht der Titel der Führungskraft die zentrale Rolle ein, sondern die Verantwortung, die man für sein Team übernimmt. Mit dem Ziel, es so aufzustellen, zu führen und weiterzuentwickeln, um gemeinsam mit Freude die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Wichtig sei hierbei, so ergänzt Anstifter Frank, das klare und geradlinige Auftreten einer Führungskraft.

Gar nicht so einfach, so eine verantwortungsvolle Rolle als Führungskraft. Keine Frage. Aber wer sich dieser Verantwortung bewusst ist, gewillt ist, sich selbst weiterzuentwickeln und sich bewusst ist, dass die Ziele nur gemeinsam erreicht werden können und jede Persönlichkeit im Unternehmen dazu ein Stück beiträgt – der ist schon auf dem richtigen Weg.

Was meint ihr dazu? Was ist euch an einer oder in eurer Rolle als Führungskraft wichtig? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht, als Mitarbeiter oder als Führungskraft? Teilt eure Meinung, eure Erlebnisse, eure Erfahrungen mit uns – wir sind gespannt und freuen uns auf euer Feedback auf Facebook.

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