Wir sind Anstifter!
 

Wie man Mitarbeiter zum Bleiben motiviert!

Sabine Prokopowitsch, Leitung der Personalentwicklung des Schuhhaus Werdich im baden-württembergischen Dornstadt über die Herausforderung im Einzelhandel, Auszubildende zu halten und die Bemühungen des Familienunternehmens, Mitarbeiter langfristig zu binden.

Im Vorfeld hast du angemerkt, dass es schwer sei, Azubis zu halten. Wie kommt das?

Wir sind in der glücklichen Lage, dass viele unserer Auszubildenden das Unternehmen und unsere Philosophie sehr schätzen, wir können doch etliche ausgelernte Azubis halten.

Allerdings entsteht durch die Situation im Handel auch Unsicherheit, die Arbeitszeiten und die Entlohnung ist deutlich unattraktiver als in anderen Branchen. Deshalb müssen wir leider auch damit leben, dass sich junge Menschen umorientieren, sei es durch eine zweite Ausbildung oder durch einen Wechsel in andere Branchen.

Vor welchen Herausforderungen stehen ausbildende Betriebe im Einzelhandel heute?

Im Moment weiß niemand so genau, wie der Einzelhandel in zehn Jahren aussieht. Negative Nachrichten, Umsatzentwicklungen, fehlende Frequenzen, Arbeitszeiten – all das macht es schwer, junge Menschen für diese Branche zu begeistern.

So wie sich der Handel verändert, muss sich auch die Ausbildung verändern, wir haben gerade den internen Rahmenplan neu definiert, um den Herausforderungen gerecht zu werden. Wir sind gefordert, jungen Menschen für den Handel zu begeistern, das scheint mir im Moment die größte Herausforderung zu sein.

 

Ist das Problem, GUTE Azubis zu finden oder ÜBERHAUPT Azubis zu finden? 

Wir finden durchaus gute Azubis, es ist nur deutlich aufwendiger geworden. Wir müssen uns als Unternehmen „bewerben“, Kandidaten begeistern, überzeugen – bis jetzt gelingt uns das gut.

 

Wie versucht ihr, Azubis zu halten? 

Wir bieten von vorneherein Perspektiven, intern im Rahmen der Werdich-Akademie und extern:

Ausbildung zur Führungskraft, Trainings, Handelsfachwirt, Betriebswirt, Studium an der LDT in Nagold, Prüfungsvorbereitung und reichlich Perspektivgespräche. Die Azubis werden über ihre gesamte Ausbildung von Filialleitung, AusbilderInnen und Personalentwicklung eng begleitet, es findet ein regelmäßiger Austausch statt. So können wir zeitnah auf Wünsche, Bedürfnisse oder Sorgen der Auszubildenden eingehen, das wird sehr geschätzt.

Ihr verfolgt den Ansatz, eure Führungskräfte selbst zu solchen zu machen – vom Azubi zur FK. Warum ist euch das so wichtig und wie geht ihr das an?

Wir haben nahezu Vollbeschäftigung, es wird immer schwerer kompetente, loyale und begeisterte MitarbeiterInnen zu finden.

Unser „Nachwuchs“ kennt das Unternehmen von der ersten Stunde an, sie leben die Philosophie, kennen und verstehen die Ziele des Unternehmens und sind ein Teil der Werdich-Familie. Bereits in der Ausbildung beginnt die Auswahl. Durch die Trainings und den engen Austausch im Laufe der Ausbildung finden wir unsere Talente.

Im Rahmen der Werdich-Akademie werden die KandidatInnen innerhalb eines Jahres zur Werdich-Führungskraft ausgebildet. In Zusammenarbeit mit den Anstiftern werden Führungsthemen vermittelt und dann in Praxistagen intern vertieft.

Dann folgt die Umsetzung der Themen auf der Fläche, begleitet durch die jeweiligen FilialleiterInnen. Im Moment haben 15 von 40 FilialeiterInnen und zahlreiche Stellvertretungen diese Ausbildung durchlaufen, eine tolle Situation für das Unternehmen.

Der best case für ein Unternehmen ist ja, „echte Typen, hidden champions“ zu finden und zu halten – wie macht man das am Besten, wie macht ihr es? 

Zahlreiche Gespräche, intensiver Austausch, Perspektiven bieten, die Vorzüge des Unternehmens aufzeigen (Familienunternehmen, Werte, direkter Kontakt zu den Geschäftsführern, Weiterbildungsmöglichkeiten…). Bewerber aus anderen Unternehmen wissen diese Vorzüge oft sehr zu schätzen.

Was bietet ihr euren Azubis?

Zu Beginn der Ausbildung eine Azubi-Woche in der Zentrale, Firmenbesuche verschiedener Schuhhersteller, zahlreiche Trainings enge Begleitung während der Ausbildung, ein offenes Ohr, Prüfungsvorbereitung, Nachhilfe (wenn erforderlich),

diverse Ausbildungsmöglichkeiten (Verkauf, Einzelhandel, Handelsfachwirt, Lagerist, LDT-Studium…), einen internen Ausbildungsplan (Basis Ausbildungsrahmenplan), Übernahme der Fahrkosten, Prämien zusätzlich zum Gehalt, individuelle Filialwechsel (z. Bsp. bei Umzug und/oder zum Sammeln von Praxis- Erfahrung) – einfach eine tolle Ausbildung 🙂

 

Ist der Einzelhandel heute nicht mehr so attraktiv für Azubis wie früher? Woran liegt das? Wie kann man das ändern?

Nein, die Gründe sind eigentlich schon genannt:

Die Entwicklung des Einzelhandels ist nicht gerade rosig, Bezahlung, Arbeitszeiten, körperliche Belastung, negative Schlagzeilen machen nicht gerade Werbung für eine Ausbildung im Handel. Dazu kommt die Vollbeschäftigung, die Auswahl an Ausbildungsberufen ist viel größer geworden und die Berufseinsteiger werden weniger.

Wir müssen dafür sorgen, dass das Image des Handels besser wird, diese Ausbildung bietet so viel Möglichkeiten: Viel Abwechslung, Kontakt mit Menschen, tolle Teams (bei uns :)), viel Freude an schöner Ware und, nicht zu unterschätzen, jetzt die Chance, die Zukunft des Handels aktiv mitzugestalten.

Liebe Sabine, vielen Dank für das Interview, die langjährige Zusammenarbeit und euer Vertrauen!

Mehr zum Thema „Motivation“ gibt’s in unserem neuen Podcast!

Hier könnt ihr außerdem kostenlos unseren Motivations-Fragebogen herunterladen, um herauszufinden, welche Antreiber dich besonders beeinflussen!

Ihr möchtet, dass wir euch ebenfalls beim Onboarding und der Weiterbildung eurer Azubis unterstützen? Wir freuen uns auf ein unverbindliches Gespräch mit euch!

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