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Unternehmensnachfolge im Familienunternehmen

Immer wieder begleiten wir Unternehmen beim Thema der Nachfolge im Familienunternehmen – ein Prozess, der durch die verschiedenen Rollen und Erwartungen der einzelnen Beteiligten an Komplexität gewinnt. Durch die familiäre Beziehung der Beteiligten steht neben dem Erfolg des Unternehmens auch der Familienfrieden auf dem Spiel. Keine Unternehmensnachfolge lässt sich eins zu eins mit der anderen vergleichen. Und dennoch gibt es Parallelen und Vorgehensweisen, die sich bewährt haben – und auch solche, die nicht erfolgversprechend sind. Anstifterin Bettina berichtet im Interview darüber, wie sie das Thema Unternehmensnachfolge in der eigenen Familie erlebt hat.

Wann wusstest du, dass du ins Familienunternehmen einsteigen wirst?

Das war schnell klar, als ich nach der Familiengründung mit meiner Familie in die Stadt zog, in dem unser Unternehmen angesiedelt war. Ich habe als Mutter dreier Söhne immer gearbeitet und die Option, unser Familienunternehmen in 4. Generation weiterzuführen, war sehr verlockend. Da ich meine berufliche Laufbahn und meinen Werdegang in der Textilbranche sehr fundiert aufgebaut und weiterentwickelt habe, stellte dies auch kein Problem für mich dar.

Welche Zweifel hattest du?

Gar keine. Ich war immer klar in meinen Entscheidungen. Da sich das Unternehmen nicht mehr im Aufbau befand, sondern bereits seit 1908 in der Familie befand, sich all die Jahre hybrid den Rahmenbedingungen angepasst hat und ich das Handwerkszeug beherrschte, gab es keine nennenswerten Zweifel. Außer, dass mein Vater nicht loslassen konnte…was sich dann auch bewahrheitete.

Familienunternehmen

Was hat in der Nachfolge bei euch gut geklappt?

Naja, am Ende des Tages hat es bei uns ja gar nicht funktioniert. Egal wie gut so ein Prozess, der sich ja auch über einige Jahre hinzieht, vorbereitet ist, die Umsetzung steht und fällt mit der Bereitschaft aller Beteiligten dazu. Diese Bereitschaft war bei meinem Vater nicht gegeben, er wurde von außen dazu „ermuntert“, doch endlich zu übergeben. Das sah er selbst anders.

Wo hattet ihr externe Unterstützung oder wo wäre sie gut gewesen?

Wir hatten eine hervorragende Begleitung durch eine sehr renommierte Beratung aus Köln, die auf Unternehmensnachfolge spezialisiert ist. Das funktionierte so lange gut, bis mein Vater komplett blockierte und verweigerte. Daraufhin gab die Beratung das Mandat wegen Beratungsresistenz ab.

Darüberhinaus hatten wir eine sehr gute Begleitung während der gesamten Zeit durch unseren Wirtschaftsprüfer, mit dem wir auch gemeinsam sämtliche notariell nötigen Dinge wie Vollmachten jeglicher Art erarbeiteten und diese gemeinsam beim Notar zum Vertragsabschluss brachten. Das hat gut funktioniert.

Welchen Tipp gibst du Familienunternehmen, in der eine Unternehmensübergabe oder die Integration der nächsten Generation stattfindet?

An erster Stelle kann ich nur jeder Generation empfehlen, sich bereits im Vorfeld – bevor die eigentliche Planung und und der Prozess beginnt, durch ein professionelles Coaching begleiten zu lassen und die Ideen/Entscheidungen auf Herz und Nieren zu überprüfen. Dadurch vermeidet man sehr viele Kosten und Querelen im Nachgang und steuert den Prozess von Anfang an individuell abgestimmt.

Das Thema Einstellung und Haltung zu diesem Prozess, der erforderliche Zeitstrahl sowie eine gesunde Einschätzung der Rahmenbedingungen sollte allen Beteiligten bewusst sein, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen und Möglichkeiten.

Ebenso wichtig ist es für die übergebenden Unternehmer*innen, sich im Vorfeld ausreichend mit dem Thema auseinanderzusetzen, welche Ziele/Aufgaben es für das „Danach“ gibt. Wenn ich etwas Großes, was mich unter Umständen mein Leben lang begleitet hat, loslasse, dann entsteht erst mal eine Lücke im Leben. Diese möchte gerne sinnvoll gefüllt werden. Da tickt jeder anders und hat seine eigenen Ziele. Fakt ist, ich muss mir im Vorfeld auch hierüber Gedanken machen und darüber bewusst sein, bzw. dieses neue Thema im Leben nach dem „Unternehmer sein“ bereits im Vorfeld zu integrieren. 

Vielen Dank liebe Bettina für diesen ehrlichen Einblick in deine Erfahrungen. Es wird deutlich, wie wichtig eine gute Begleitung in diesem Thema ist und auch, dass es unerlässlich ist, dass beide Seiten ihre unbedingte Bereitschaft zum Loslassen und Annehmen auf den Prüfstand stellen. Und nur wenn beide Parteien aus vollen Herzen „ja“ sagen, ergibt die Unternehmensübergabe wirklich Sinn.

Solltet ihr Fragen zu diesem Thema haben, oder selbst gerade mit diesem Thema zu tun haben, dann meldet euch gerne bei uns. Wir beraten euch gerne, welche Schritte für euch und euer Unternehmen als nächsten Sinn ergeben.

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