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Fehlerkultur aus der Perspektive einer Perfektionistin

Als ich gefragt wurde, ob ich einen Artikel zum Thema Fehlerkultur schreiben könnte, war mein erster Gedanke: Wie lang, bis wann und am Wichtigsten: Wer korrigiert all meine Komma- und Rechtschreibfehler, die ich gerne mal nach dem Prinzip „je mehr desto besser“ über einen Text streue. Nun sitze ich hier und außer den üblichen Floskeln wie „Es gibt keine Fehler – nur die Chance, etwas zu lernen“ oder „Wer keine Fehler macht, macht vermutlich gar nichts“ fällt mir nichts ein. Tja, wenn dieses Thema wirklich so leicht in zwei Sätzen zusammenfassbar wäre, würde ich wohl nicht gerade versuchen einen perfekten, lustigen, inspirierenden und selbstverständlich weltbewegenden Artikel zu verfassen. Ich lasse meinen Blick schweifen, um irgendwo in meinem Büro den richtigen Impuls für eine außergewöhnliche, bahnbrechende Einleitung zum Thema Fehlerkultur aus meiner persönlichen Sicht zu finden. Außer den perfekt aufgeschüttelten Kissen, dem frisch gewischten Boden und einem duftenden Kaffee liegt neben meinen fein katalogisierten Unterlagen für die nächste Trainings Konzeption mein Smartphone im rechten Winkel zu meinem Laptop. Eine Nachricht ploppt auf und ich öffne sie…

Perfektionismus und Prokrastination

… 45 Minuten später, nachdem ich die neusten Nachrichten beantwortet, die Beiträge meiner Kollegen auf Social Media geliked und verschiedene Lichter für unsere Online Trainings verglichen habe, stelle ich erschrocken fest: Da ist doch etwas dran am zweiten Spruch „wer keine Fehler macht, macht vermutlich gar nichts“ – Hoppla, da gibt es wohl einen bemerkenswerten Zusammenhang zwischen Perfektionismus und Prokrastination alias dem sinnfreien Nichtstun, aufschieben, verdrängen oder wie ich gerne sage den Tagesfokus auf das „Sein“ zu legen anstatt auf das „Tun“. Also zurück zum Artikel, denn ich schweife mal wieder ab.

Die Kultur des Rotstiftprinzips

Wenn ich an Fehler denke, muss ich unmittelbar an meine Schulzeit zurückdenken. An meine über und über mit roten Anmerkungen geschmückten Aufsätze. Mit ganz großem Glück, wenn ich etwas Herausragendes in meiner Klassenarbeit geleistet hatte, stand am Ende all dieser roten Punkte und Striche ein liebevolles „Gut gemacht“. Selbst als ich in der ersten Klasse bei einer Rechenaufgabe (1 – 2 = __) folgenden Randkommentar schrieb: „geht nicht Frau Lehrerin, das gibt Schulden und man muss in das Gefängnis“ war die Wertschätzung auf diese kreative Antwort ein Elterngespräch. Auch eine Art Kultur…oder? Doch was bedeutet Kultur eigentlich? Kultur ist die Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft. Fehlerkultur ist somit der Umgang der Gesellschaft oder auch eines Unternehmens mit Fehlern, Fehlerrisiken und der Folge von Fehlern.

Fehlerkultur

Im Beispiel des schulischen Kontextes, welcher in diesem Bereich maßgeblich prägend ist, könnte man die vorherrschende Fehlerkultur so definieren: Die Abwesenheit jeglicher Fehler allein führt zum besten Ergebnis. So viel zu meiner persönlichen Konditionierung… Fehler machen bedeutet also zum einen, dass das Ergebnis leidet und möglicherweise negative Folgen mit sich zieht. Zum anderen bedeutet es aber auch, dass ich als der Mensch, der Fehler macht, angreifbar werde. Perfektion ist schlussendlich also eine Art Schutzmechanismus, durch den ich versuche, meinem Umfeld keine Angriffsfläche zu bieten. Grundsätzlich hat sich das unser Unterbewusstsein ziemlich gut zurechtgelegt. In Wahrheit wirkt übertriebener Perfektionismus eher kühl und nimmt Agilität aus unserem Alltag. Wer mag schon gerne Klugscheißer?

Lena Spanisberger

Mein Freund der Fehler und ich

Mit Fehlern freundete ich mich erst einige Jahre später an. Durch das Mutter sein und die damit verbundene vollkommen andere Auslastung, die es mit sich zieht, wenn man im Improvisationstheater namens „Das Leben einer Working Mum“ die vermeintliche Hauptrolle spielt, wurde ich auf recht unangenehme Weise aus meiner „Ich hab alles im Griff“ Blase gerissen. Plötzlich hatte der Alltag keinerlei Struktur mehr. Die eben noch so saubere Wohnung war plötzlich das reinste Chaos, vor dem selbst Mary Poppins Reißaus genommen hätte. Es ist unglaublich, was man nach monatelangem Schlafentzug und Rhythmusfreiheit noch so alles schafft, ehrlich! Aber irgendwo sind hier ganz natürliche Grenzen gesetzt. Hier mal den Geburtstag der besten Freundin vergessen, da mal den neuen Wollpullover mit 90 Grad gewaschen, sechs Monate zu spät die Versicherung umgemeldet, eine Rechnung vergessen zu überweisen… All das sind Alltagsdinge, die schon mal passieren können. Der Punkt ist, dass selbst wenn es mehr als eine dieser Lappalien ist, noch so viel mehr vorfallen muss, bis wirklich etwas Dramatisches passiert. Und selbst dann dürfen wir aus dieser Statistik noch herausrechnen wie oft aus einem Fehler, der im ersten Moment vernichtend aussieht, daraus „das Beste, was mir je passiert ist“ werden kann. Post it’s, Teflon, die Mikrowelle und Südamerika sind alles großartige Entdeckungen, die aufgrund eines „Fehlers“ gemacht wurden und heute ungemein wertvoll sind, ja sogar aus unserem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind – was würde ich nur ohne all die neonfarbenen, wegweisenden Klebezettel tun??? Also hat wohl auch der erste Satz „Es gibt keine Fehler, nur die Chance etwas zu lernen“ seine Berechtigung.

Unser Fehlerinstinkt

Und dennoch steckt die Angst vor Fehlern so tief in jedem von uns. Warum? Weil nur ein einziger Fehltritt vor Jahrtausenden über Leben und Tod entscheiden konnte. Dass es uns Menschen heute noch gibt hat maßgeblich damit zu tun, dass zur Grundausstattung Mensch genau diese Urangst gehört, die uns beispielsweise durch die allseits bekannte fiese innere Stimme immer wieder dazwischen quatscht, Herausforderungen und neue Situationen als potenziell gefährlich deklariert und uns in Unruhe und – je nach Ausmaß – in Stress versetzt. Dieser Mechanismus funktioniert noch genauso wie damals und hat sich den Umständen der modernen Welt kaum angepasst. Ganz hilflos sind wir allerdings nicht gegen diese rudimentäre Tatsache. Die beiden folgenden Techniken, helfen mir meinen Alltag als Perfektionistin mit Fehlern gelassener zu bestreiten:

Eine Ideale Welt der Fehlerkultur

Wenn es darum geht sich die perfekte Fehlerkultur auszumalen, würde ich Folgendes sagen: Fehlerkultur entsteht da, wo das Bewusstsein über die Fehlbarkeit jedes Einzelnen und Folgebewusstsein besteht. Wo Klarheit darüber herrscht, dass nichts endgültig ist und die Belastbarkeit und Agilität gegeben ist, gemeinsam neue Wege zu schaffen und ohne Fingerpointing die offene Bereitschaft zu leben, gemeinsam den Karren aus dem Dreck und wieder auf Kurs zu ziehen. Das wäre PERFEKT…oder nicht?

Wer’s perfekt und fehlerfrei haben will geht Gefahr zu „verschlimmbessern“ oder Entscheidungen auf die lange Bank zu schieben. Eine nicht getroffene Entscheidung bleibt im Unterbewusstsein offen und zieht daher weiterhin Energie. Energie, die ich an anderen Stellen sinnvoller nutzen kann. Daher setze ich mir für Entscheidungen Fristen. Das kann ein Tag, eine Woche oder mehr sein. Je nach Tragweite und Wichtigkeit des Themas. Ist die „Frist“ abgelaufen gibt es kein Pardon. Eine Entscheidung muss her – und wenn dafür eine Pro – Contra Liste oder Entscheidungsmatrix als unterstützendes Tool Anwendung findet.

Aus der Angst Fehler zu machen oder zu scheitern neige ich hin und wieder trotzdem dazu die lange Bank zu nutzen. Gerade bei (scheinbar) großen Entscheidungen, die mit Risiken und großer Tragweite verbunden sind, kann es mir schon mal die Brust zu schnüren. Dann stelle ich mir folgende Frage „Was, wenn… (z.B. ich damit den Auftrag verliere)?“ Ja, … was dann? Häufig gehen wir dieser Fragestellung nicht weiter nach und sehen rein dieses enorme Risiko, welches lähmend wirken kann. Genau da liegt der Schlüssel: Immer weiter zu fragen „und was ist dann?“ – „Und dann?“ … „und dann?“

Das Ergebnis: zu 99% erkenne ich, dass das Problem gar nicht so wild ist. Und ich merke, welche Verkettung von weiteren Folgen daran hängt und wie viel Handlungsspielraum ich zwischen all diesen Schritten noch habe bis dieses Horror-Worstcase Szenario tatsächlich und auch nur möglicherweise eintritt. Glaub mir, das hat schon so manches unüberwindbares Mammutproblem auf einmal aussehen lassen wie einen kleinen, harmlosen Marienkäfer.

Ein Beitrag von: Lena Spanisberger, Trainerin der Akademie

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