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Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?

Ich erinnere mich daran, dass ich vor Jahren mal eine Talkshow mit Angela Merkel gesehen hatte. In diesem Format beantwortete sie zum Ende hin Fragen aus dem Publikum. Fragen von Menschen wie dir und mir. Im groben Kontext ging es um unser Rentensystem und darum, wie Frauen hier durch das System benachteiligt sind, da sie durch ihre Vielzahl an unbezahlten Tätigkeiten in der Rolle als Mutter, Tochter, Schwiegertochter, Enkelin und weiteren gesellschaftlichen Verpflichtungen, häufig beruflich zurückstecken. In zeitlicher Hinsicht, aber auch durch die Wahl der Berufes. Ganz zu schweigen von der „Gender Pay Gap“, die die tatsächlichen monetären Unterschiede in selber Position zwischen Mann und Frau beschreibt.

Gender Pay Gap

Man könnte meinen, das sei nur ein Thema weniger entwickelter Länder, in Wahrheit sieht es ganz anders aus: Kaum zu glauben, aber hier in Deutschland sind wir ganz vorne mit dabei. Aus dem Publikum steht eine Frau auf und beschreibt ihre Situation: Sie hat mehrere Kinder zur Welt gebracht und großgezogen und ist gleichzeitig Taxifahrerin, Köchin, Haushaltshilfe, Reinigungskraft, Seelsorgerin, Krankenschwester, etc. und arbeitet (natürlich) rund um die Uhr. Ihr Rentenbescheid ist mehr ein Trostgroschen, als dass es irgendwann einmal zum Leben reichen könnte. Nach ihrer Aufzählung wirkt Frau Merkel erstmal etwas perplex und ordnet die Dame aus dem Publikum kurzerhand als Multi-Jobberin ein. Dass die Realität, von der die Zuschauerin erzählt, eine andere ist, kommt ihr schlicht nicht in den Sinn. Denn „nur Mutter sein“ ist nicht wirklich das Naheliegendste.

Die Situation aus der Talkshow hat sich in meinem Gedächtnis verankert. Obwohl ich damals noch nicht Mama war, obwohl ich damals noch keinen Schimmer von unserem Rentensystem, dem Mangel an Kinderbetreuungseinrichtungen und dem Gender Pay Gap hatte. Noch heute bringt mich diese Situation zum Nachdenken. Ich selbst hatte das Glück, dass meine Geschwister und ich, wenn wir um 12:00 oder 13:00 von der Schule nach Hause kamen, ausnahmslos immer mit einem warmen Essen, Zeit zum gemeinsam Spielen und Hausaufgaben machen von unserer Mutter empfangen wurden – und das jeden Tag. Sie hat natürlich gearbeitet, aber eben nur vormittags und das hat für ein großes Haus, jedes Jahr einen Urlaub im Ausland und alles Weitere zum Leben ausgereicht. Geld war zwar immer Thema, aber wir kamen gut zurecht.

Lena Spanisberger

Karriere oder Familie?

Eine Generation später sieht das schon ganz anders aus. Nicht nur der Gender Pay Gap ist immer noch präsent. Um sich ein kleines Reihenhaus im Umland leisten zu können, muss man schon eine Million in die Hand nehmen und irgendwie zwei Berufstätige inklusive Karriere- und Familienplanung unter einen Hut bekommen. Hoffnungsvolles ausharren auf übervollen Kita-, Kindergarten und Hortplatzlisten, bei denen lediglich der Platz an sich ewige Dankbarkeit schüren müsste, jedoch Konzept, Betreuungsschlüssel und Individualität auf einem anderen Blatt stehen. Das Ergebnis: Ausgelaugte Eltern, die nicht aufgeben und irgendwie versuchen das Beste daraus zu machen – andere schaffen das ja auch, es ist eben wie es ist: Normalität.

Einfach länger zuhause bei den Kindern bleiben ist für viele Eltern keine Option. Entweder zückt das Haushaltsnetto sein Veto oder die allgemeine Haltung der Gesellschaft, denn du kannst ja nicht „nur Mutter“ sein. Und ganz ehrlich, das möchte auch nicht jeder. Die Wahl zu haben ist Luxus, wählen zu dürfen ist oft Utopie. Also wollen wir irgendwie alles und rennen zwischen Kita, Schule, Küche, Wäsche, Pflegefall, Supermarkt, Ballett, Fußball, Werkstatt, Bank, Kinderarzt, Freunden, Nachbarn, Spielwarengeschäft, Finanzamt, Nachhilfe, Kinderturnen und – ach ja, da war noch was: Arbeit hin und her. Immer mit einem Kaffee in der Hand und der To-Do Liste im Kopf. Apropos, wie weit sind wir in der Forschung eigentlich hinsichtlich des Beamens…?

Natürlich könnte man sagen, du hast ja die Wahl. Und sicherlich haben wir diese auch – aber eben nicht so, wie man meinen sollte. Ist das erste Kind da, steht wenige Wochen nach der Geburt die permanente Frage im Raum: „und wann kommt das Zweite?“

Entscheidest du dich bewusst gegen Kinder kannst du doch gar kein glücklicher Mensch sein, denn dein Zweck der Existenz sieht das doch so vor. Außerdem würdest du es sicherlich irgendwann bereuen. Entscheidest du dich für Karriere und Selbstverwirklichung, ist das Egoistisch und ach ja, deine armen Eltern, denn die würden ja so gerne Großeltern werden. Und wenn du beides willst? Tja, dann bereite dich vor auf ein Leben im Improvisationstheater: Das 8. Weltwunder oder auch die Frau und ihre 40 Rollen.

Die 40 Rollen der Frau

Ich bin gottfroh und dankbar, dass ich mit diesen 40 Rollen nicht alleine bin. Immerhin habe ich einen Mann, der mich unterstützt, mit dem ich immer wieder reflektiere, was wir an unserer Aufteilung anpassen können um Entlastung zu schaffen. Auch wenn dieses reflektieren und immer wieder anpassen sich recht entspannt und romantisch anhört, das ist es zweifelsohne nicht. Unsere individuellen Rollen als nicht endgültig und fest definiert, sondern als agil und stets anpassungsbedürftig zu akzeptieren ist eine Wunschvorstellung, die wir selbst noch nicht zu 100% umgesetzt haben, die uns aber umso mehr fordert.

Denn das System „Arbeit“ ist nicht auf Flexibilität und Agilität ausgerichtet. Der klassische Job ist „nine till five“ und bitte vor Ort, weil das ist hier Kultur. Wenn du Führungskraft bist sowieso, denn wie willst du führen, ohne physisch anwesend zu sein? An dieser stelle winke ich gerne mal mit dem Zaunpfahl zum Format „Führen auf Distanz“ und ergänze: Wer immer tut, was bereits bekannt und Normalität ist, wird wohl ansonsten auch nicht viel zum nächsten Innovationszyklus beitragen.

Aber zurück zum Thema, denn die Möglichkeit all diese Herausforderungen gemeinsam zu stemmen hat nun leider nicht jede/r. Allein wenn man sich damit auseinandersetzt, wie die Norm in unserer Gesellschaft aussieht, werden die Muster schnell klar: Wie viele Alleinerziehende sind Frauen, wie viele Männer nehmen Elternzeit, wie viele Hauptverdienerinnen gibt es, wie viel Prozent der Führungskräfte sind weiblich…?

Hier wird deutlich, dass ein offenes Rollenverständnis und damit Chancengleichheit für alle nicht wirklich der Realität entsprechen. Da liegt noch ein ganzes Stück Arbeit vor uns. Und ich bin zuversichtlich, dass wir hier in die richtige Richtung gehen.

Lena spricht über gender pay gap

Veränderung beginnt im Kopf und was ich aktuell sehe, sind so einige rauchende Köpfe. Fachkräftemangel, eine nicht-enden-wollende Pandemie, der technologische Wandel, all das sind entscheidende Themen, die wir auf unserem Weg als Gesellschaft betrachten und beachten müssen, die uns zum Um- und Neudenken zwingen. Wenn keiner weiß, wo die Reise hin geht, sind wir genau auf dem richtigen Weg zu gesellschaftlichem Wandel, einem Haltungswandel. Sozusagen auf dem Weg zur nächsten Stufe. Im Moment hangeln wir uns die Steilwand hoch, ohne zu wissen, was uns auf der nächsten Stufe erwartet. Wie der Ausblick ist, wenn wir einmal das Plateau erreicht haben und welche neuen Möglichkeiten und Risiken auf diesem neuen Terrain auf uns warten. Aber eines ist klar: Nichts bleibt, wie es war, und das ist Grund genug zur Vorfreude. Bis zum nächsten Mal, eure

Lena Spanisberger

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