Verbünden statt bekämpfen

„Mit der Konkurrenz? Sprechen wir nicht, alles was wir wollen ist, sie zu übertrumpfen!“ Dass so eine Ansicht nicht da Gelbe vom Ei ist, darin sind sich unser Anstifter Alex und Axel vom Best Practice Institute in Wiesbaden einig, denn: Gerade in der heutigen Zeit ist ein Austausch untereinander eines der wichtigsten Mittel, um erfolgreich zu sein. Die Geschäftsführer zweier Trainingsunternehmen trafen sich zu einem solchen Austausch. Hier Teil zwei des Interviews –  Teil eins gibt’s bei den Kollegen vom BPI.

Franzi: Sagt mal, wo geht das Training denn hin? Oder: Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

Axel: Oh, das klingt nach Vorstellungsgespräch! Ich denke die Messbarkeit und Nachhaltigkeit werden immer wichtiger. Allerdings werden diese noch nicht genug geschätzt. Sobald wir sagen: Das ist weiterer Aufwand und kostet entsprechend mehr, wird oft gleich abgewunken. Bezahlen möchte man für Nachhaltigkeit dann doch noch nicht. Nachhaltigkeit ist gut, aber nur solange es nichts kostet und nicht weh tut. So weit sind wir noch nicht, zumindest in unseren Bereichen, aber das kommt hoffentlich noch.

Ich denke, dass Blended Learning eine große Rolle spielen wird, mit Fokus auf Mobile Learning. Also alles, was ich z.B. mal eben in der Bahn machen kann und was in Trainings eingebettet wird. Ansonsten hoffe ich, dass es dahin geht, dass wir noch mehr sehr gute Trainer auf dem Markt bekommen und die aussortiert werden, die sich „Coach“ nennen, aber eigentlich keine sind oder sich denken „Ich habe grad nix zu tun, ich bin jetzt mal Trainer.“ Das ist meine Hoffnung.

Alex: Wobei aber darauf geachtet werden muss, dass man nicht auf Teufel komm raus digitalisiert. Weder bei uns im Training noch beim Kunden selbst. Ich schließe mich Dir komplett an, dass Blended Learning immer wichtiger werden wird. Beim Training selbst merke ich, dass es eher in die Begleitung als das Vormachen geht. Also etwas vorzustellen und die Teilnehmer dann selbst machen und ihren Weg finden zu lassen und ihnen dabei Feedback und Tipps zu geben.

Axel: Und PowerPoint – Schlachten werden weniger.

Alex: Ja Gott sei Dank!

Franzi: Eigentlich seid ihr ja Konkurrenten…

Alex: Wenn wir das zusammenpacken, meldet sich das Kartellamt … (lacht)

Franzi: …warum ist euch das wichtig, miteinander zu sprechen?

Alex: Wenn man sich fragt, was Trainer oder Trainingsunternehmen von guten Trainern/ Trainingsunternehmen unterscheidet, dann ist das in meinen Augen das, dass erstere vergessen, über den Tellerrand zu schauen. Aber wir selbst müssen doch selbst auch das umsetzen, was wir ständig predigen! Und wir haben auch einfach Bock drauf und fühlen uns nicht in irgendeiner Art verpflichtet – sondern Reden einfach mal. Ich finde es einfach spannend, wie andere Unternehmen ticken, was die machen, was wir davon lernen könnten und was wir vielleicht sogar zusammen machen könnten. Das Ziel ist es eigentlich, das Training besser zu machen: Grundlegend am Markt und in unseren Unternehmen.

Axel: Ich glaube man muss nicht alle Fehler doppelt machen. Wenn wir uns gegenseitig sagen, was wir schon versucht haben, aber nicht geklappt hat, kann man davon ja lernen. Und in unserer Branche tauscht man sich einfach viel zu wenig aus – zumindest so, dass es wirklich Sinn macht.

Franzi: Es gibt viele Menschen, die sich als Trainer und Coaches ausgeben und beraten, gibt es bestimmte Trainings, Konzepte oder Entwicklungen in diesem Bereich, die euch richtig auf den Geist gehen?

Axel: Es gibt so viele Millionen Coaches da draussen, die eine wesentlich bessere Marketingstrategie haben als Trainings, die sie verkaufen. Und das ist unser Problem.  Was unterscheidet uns von denen? Wir haben alle das gleiche auf der Homepage stehen. Aber wir machen’s wirklich. Und das erlebt man, wenn man einmal mit uns ein Training gemacht hat!

Franzi: Wow, ihr könntet Zwillinge sein! Das hätte jetzt exakt die Antwort von Alex sein können!

Alex: Ich wollte es grad sagen! Alle anderen reden drüber – wir machen’s halt.

Axel: Das ist auch unser Verkaufsargument!

Alex: In meinem Berufsverständnis haben wir gerade einen Übergang vom Training in die Beratung – und wieder zurück. Wenn ich in ein Unternehmen fahre, dann bin ich Trainer, im Gespräch mit dem Personalentwicklungschef bin ich dann Berater. Und wichtig ist dabei, sich auch immer wieder selbst zu hinterfragen, um für den Kunden das bestmögliche Ergebnis zu erreichen. Und das schafft nicht jeder. Es schafft noch nicht einmal jeder, den Kunden zu fragen: „Was ist Dein Ziel?“ – Viele gehen den „Ich bin jetzt da und trainiere euch jetzt einfach“ – Weg. Und das ist völlig falsch. Ich muss zuhören und den Kunden verstehen und dann mein Repertoire entsprechend passend einzusetzen.

Axel: Ich denke da trennt sich auch die Spreu vom Weizen: Wir hatten schon einige Trainings, da kam dann der Trainer rein, zum Beispiel in einem Verhandlungstraining, in der Einführungsrunde stellte er fest: Die Teilnehmer wissen gar nicht wirklich wozu sie da sind, müssen vielleicht in ihrem Berufsalltag gar nicht verhandeln. Und die Fähigkeit, seine Handouts dann in den Müll zu werfen, die Teilnehmer zu fragen, was sie eigentlich brauchen und sie dann entsprechend zu trainieren: Das können die wenigsten.

Vielen Dank an unseren Kollegen für den wertvollen Austausch und eure Gastfreundschaft – es war uns ein Fest. Bis bald!

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