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Kann man Werte trainieren?

Sinn- und werteorientierte Führung ist ein wichtiger Bestandteil einer positiven Unternehmenskultur. Doch was sind Werte eigentlich? Wie vermittelt man sie? Und welche? Alex hat sich mit Michi und Dennis von „Zirkel Consulting“ getroffen und im Kollegengespräch genau darüber gesprochen – gespickt mit Fragen der Social-Media-Tante Franzi. 

Franzi: So, zum Einstieg hätte ich gern ne ganz konkrete Ansage von euch: Was sind denn eigentlich Werte?

Alex: Werte sind Vorstellungen, die eine Orientierung geben sollen, wenn Menschen zusammen sind. In einer Familie geht es immer um Werte, solche, die dir deine Eltern zum Beispiel mit auf den Weg geben – oder auch nicht. In letzterem Fall werden sie dann schmerzlich vermisst. Spannend wird’s dann, wenn du auf andere Menschen triffst und sich die Frage nach den Wertvorstellungen stellt. 

Michi: Aus Werten resultieren auch bestimmte Denk- und Verhaltensweisen. Letztere sind sichtbar und basieren auf den Denkweisen. Und die wiederum basieren auf den Werten, die aber natürlich nicht sichtbar sind. Das ist oftmals sehr spannend, wenn man z.B. in einem Team zusammenkommt, klappt es dann super, weil man ein kompatibles Verhalten an den Tag legt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man über die gleichen Werte verfügt, ohne je darüber gesprochen zu haben. 

Dennis: Auch spannend ist die Frage danach, ob man Werte tatsächlich entwickeln kann. Man kann Bewusstsein schaffen für bestimmte Themen, die nicht gut laufen, aber wichtig ist es, bei den Führungskräften anzufangen, wenn man sich an die Wertentwicklung in einem Unternehmen macht. Wenn die diese Werte nicht leben, wird das auch bei den Mitarbeitern nicht passieren. 

Alex: Schön sind auch immer diese One-Paper: „Das sind unsere Werte“. 10 Punkte, runtergeschrieben auf nem DIN A4 – Blatt. Aber null Leben drin. 

Franzi: Kann ich denn jemandem Werte beibringen?

Alex: Ich glaube das ist nicht beibringen, sondern vorleben. Man bekommt ein Gefühl dafür und entsprechend auch ein Gefühl der Zugehörigkeit. Daher kommt auch Loyalität. Ich kann mich mit meinem Unternehmen, meiner Familie, meinem Freundeskreis identifizieren. Die liefern mir identische Antworten. 

 

Franzi: Aber wenn nun eine Führungskraft diese Werte nicht vertritt, kann ich ihn ja nicht dazu zwingen, diese Werte im Unternehmen zu leben!?

Dennis: Sehr spannend, ja! Eben daran scheitert es nämlich oft!

Michi: Da wird’s dann echt schwierig. Wenn ich zum Beispiel eine Führungskraft habe, die sehr autoritär und unempathisch führt, kann ich das nur darüber beibringen, dass er es versteht. Aber das ist dann sehr mechanisch und nicht unbedingt von erfolg geprägt. Und: Dann sprechen wir aber noch lange nicht darüber, dass er den Wert tatsächlich vertritt. Denn den muss er wirklich in sich tragen.

Dennis: In jedem Veränderungsprozess geht es um Bewusstheit, egal ob auf individueller oder organisatorischer Ebene. Der erste Ansatz in so einem Prozess ist dieses Bewusst-Sein. Wenn ich also damit beginne, die Wirkfaktoren in meinem Unternehmen offenzulegen, dann gilt es, im Einzelnen auch klare Entscheidungen zu treffen. Nämlich bezüglich der Frage: Entspricht der Status Quo meinem Bild bzw. Wunsch oder nicht? Und falls nicht, dann werde ich mich als Unternehmensleitung genau damit auseinandersetzen müssen, welche entsprechende Maßnahmen einzuleiten sind. Eben zum Beispiel über Workshops, Trainings und Coaching – denn das Ziel sollte natürlich sein, dass man eine Lösung auf die Frage findet, warum bestimmte Dinge nicht zufriedenstellend laufen. 

Alex: Genau, aber wie du sagst muss immer erst der Punkt erreicht sein, dass ich sage „Ich verstehe es!“ – und wenn ich es verstanden habe, dann kann ich’s verändern. 

Michi: Und es muss für mich Sinn machen!

Franzi: Welche Werte sollte ein Unternehmen denn haben?

Alex: Nehmen wir mal ein Unternehmen aus dem Mittelstand. Wenn ich deren Geschäftsführer früher gesagt habe „Mach mal Wertearbeit“, sagt der mir „Bist du Esoteriker?“. Inzwischen gibt es aber dieses Streben nach Sinn, nach der Definition nach dem ‚Warum‘. Aber: Jedes Unternehmen hat bereits Werte. Die wichtige Frage ist: Werden sie kommuniziert?

Michi: Die Frage, welche Werte Unternehmen haben müssen, kann man so gar nicht stellen. Es geht darum, zu fragen, was die Unternehmenskultur ist, wo kommen sie her, wie ist die Entwicklung, was wollen sie in Zukunft? 

Alex: Sehr spannend wird’s da auch bei Unternehmensnachfolgern. Da knackt’s oft ordentlich im Gebälk! Da hast du zwei Generationen, die so unterschiedliche Vorstellungen haben. Da muss man sich mal gemeinsam an nen Tisch setzen, die Werte definieren, um dann festzustellen, dass die oft garnicht so weit auseinanderliegen! Sie müssen halt nur eine Kleinigkeit angleichen, um sich in der Mitte zu treffen, damit beide Seiten zufrieden und beruhigt sind. 

Michi: Das ist einer der Hauptgründe für eine Werteentwicklung bei Mittelständlern: Wenn die Älteren den Jüngeren das Unternehmen übergeben, wird das oft gemacht, um sicherzustellen, dass der Geist des Unternehmens auch erhalten bleibt. 

Franzi: Wie schaut’s denn mit den Werten in den deutschen Unternehmen aus?

Dennis: Was wir festgestellt haben: Der Wunsch zu einer Werteentwicklung geht oft mit dem Wunsch einher, wie etwas zu sein hat, aber wenig darauf geachtet wird, was tatsächlich vorherrscht. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt, wo eine Werteentwicklung aufgrund dieses Wunschdenkens scheitern kann. Stattdessen müsste man gucken, was im Unternehmenskontext Sinn macht und das auf den Alltag zu übertragen – und die positiven Werte, die bereits da sind, zu verstärken. Da ist der Blick auf das Unternehmensklima sehr wichtig: Wie sind die Leute miteinander, welche Trigger kann man da aushebeln?

Michi: Und auch die Führungskultur! Denn genau daran scheitert es oftmals! Da sieht ein Mitarbeiter, dass wieder ne Menge Geld für Berater ausgegeben wurde, die Werte an die Wand gepinnt haben – aber passiert ist nichts. Weil die Führungskräfte sie nicht vorleben. Und dann geht’s genau in die falsche Richtung. 

Alex: Der Wunsch ist oftmals sehr weit weg vom Ist. Und wenn man dann Werte definiert, muss man sie auch mit Leben füllen: „Was heißt das für Kundengespräche, für unsere Produkte, für unsere interne Kommunikation, mit wem wir zusammenarbeiten und für wen wir arbeiten?“ Das erstreckt sich auf alle Bereiche im Unternehmen und genau das muss bei diesem Prozess auch geprüft werden. 

Michi: Was ich auch noch sehr spannend finde, ist die Fragestellung, warum die Werteentwicklung aktuell bei Unternehmen so ein großes Thema ist? Das hat natürlich auch einen gesellschaftlichen Zusammenhang.

Alex: Stimmt! Wir lechzen ja gerade nach Sinn, nach der Antwort auf die Frage „Warum?“. Und wenn du dann ein Unternehmen hast, das dir das nicht erklären können, dann ist das ein Problem.

Michi: Unternehmen haben immer mehr auch eine gesellschaftliche Verantwortung – wieder! Und deswegen macht es auch Sinn, dass sich Unternehmen wieder verstärkt dem Wertethema widmen!

Alex: Ganz häufig höre ich: „Ich will meine guten Mitarbeiter und meine Kunden nicht verlieren!“ Wenn du dich aber mit Werten beschäftigst und wirklich einen Kern herausarbeitest, wofür du stehst, dann definierst du auch automatisch eine Zielgruppe. Und dann musst du auch den Arsch in der Hose haben zu sagen: Ok, im bestimmten Fällen passt die Zusammenarbeit dann eben nicht. 

Michi: Unternehmen müssen mehr und mehr darauf gucken, am Arbeitsmarkt attraktiv zu sein. Und auch da geht es auch immer mehr um Werte.Die Bewerber schauen sich Unternehmen auch diesbezüglich an: Wofür stehen die, kann ich mich da wohlfühlen, identifiziere ich mich damit?

Alex: Wertearbeit heißt auch immer, Werte zu definieren. Wenn ich 10 Mitarbeiter frage, was für sie Wertschätzung ist, hast Du 13 verschiedene Antworten. 

Franzi: Aber dann hast du ja eben ein Team mit 10 Leuten und 10 Definitionen. Wie bringe ich das unter einen Hut?

Michi: Wertearbeit ist immer Kommunikation. Und wenn man das tut kann man festlegen, wie Team xy Wertschätzung versteht.

Dennis: Spannend ist, dass zum Beispiel Wertschätzung an sich grob definiert ist. Aber für den Vertrieb kann Wertschätzung im Kundenkontakt in ganz anderer Form gelebt werden als im Marketing. Das ist also kein einfacher Prozess, Wertearbeit ist meiner Meinung nach eine der schwierigsten Aufgaben in einem Unternehmen, weil es eben so individuell auslegbar ist und nur über die Sprache funktioniert. Und das zusammenzuführen und ein Haus zu bauen, die Bandbreite zu definieren, wo dieser Wert Sinn macht und wo nicht mehr, verschiedene Parameter in verschiedenen Bereichen festzulegen, in denen man sich bewegt. Aber das Verständnis dafür muss in jedem Fall da sein, das ist die Grundvoraussetzung. 

Franzi: Zum Abschluss. Wenn ihr Unternehmen eins mitgeben wollt zum Stichwort „Werte“. Was wäre das?

Alex: Ich glaube es macht grundsätzlich Sinn, sich mit seinen Mitarbeitern hinzusetzen und eben über diese Werte zu sprechen. Und…

Dennis: Das ist nicht nur ein Satz! (lacht)

Michi: Aber ich möchte jetzt mal wertschätzend sagen, du hast es wenigstens versucht, Alex! (lacht)

Dennis: Wertearbeit ist Beziehungsarbeit!

Alex: Alle reden über Wertschöpfung. Ich kann nicht wertschöpfen, wenn ich keine Werte habe. Deswegen lohnt es sich immer, Beziehungen aufzubauen, wenn ich mein Unternehmen entwickeln möchte.

Dennis: Einem Unternehmer muss bewusst sein, wieviel Verantwortung er gegenüber seinen Mitarbeitern hat, dass dort Zufriedenheit herrscht. Über Wertearbeit kann man da viel leisten und das macht auch letztendlich das Unternehmen erfolgreich. 

Vielen Dank an Dennis und Michi von Zirkel Consulting für eure Zeit, das schöne Gespräch und den freundschaftlichen Austausch! Bis bald zum nächsten alkoholfreien Weizen!

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